Hausbauagentur

Wer den Hausbau plant, wird unweigerlich mit Verordnungen und Normen konfrontiert. Wenige Bauinteressenten wissen jedoch, dass insbesondere die Energieeinsparverordnung (EnEV) und das Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz (EEWärmeG) zu regelrechten Kostentreibern am Bau wurden. Die Vorgaben der EnEV betreffen in erster Linie die Wärmedämmung und Heizungstechnik für Neubauten. Diese Anforderungen sind in den letzten Jahren immer wieder erhöht worden.

 

Novellierung der Energieeinsparverordnung (EnEV 2014)

Nach langen Diskussionen und der Einbindung einschlägiger Berufsverbände beschloss die Bundesregierung am 16.10.2013 die Novellierung der Energieeinsparverordnung. Die „EnEV 2014“ ist zum 01.05.2014 in Kraft getreten. Im Folgenden werden die wichtigsten Inhalte, insbesondere für Bauherren und Besitzer von Bestandsgebäuden, zusammengefasst.

 

Die wichtigsten Informationen für Bauherren, die einen Neubau planen

Die neuen Vorgaben sind danach ausgerichtet, dass sich spätestens ab 2019 öffentliche und ab 2021 auch private Neubauten an die Vorgaben des EU-Niedrigstenergiegebäudestandards halten müssen. Die aktualisierten Regelungen der EnEV 2014 sollen den künftigen Weg in diese Richtung ebnen.

Seit dem 01.01.2016 müssen neu errichtete Häuser die strengeren energetischen Anforderungen der Absenkung des zulässigen Jahres-Primärenergiebedarfs zu 25 % und des zulässigen Wärmedurchgangskoeffizienten (Dämmwert der Gebäudehülle) erfüllen. Die Vorgaben für das heranzuziehende Referenzgebäude haben sich nicht geändert (Anlage 1 für Wohngebäude, Anlage 2 für Nichtwohngebäude). Eine Ausnahme bilden die Nichtwohnbauten, deren Räume eine Höhe von vier Metern übersteigen: Sofern die Beheizung durch dezentrale Strahlungs- oder Gebläseheizungen erfolgt, muss der niedrigere Jahres-Primärenergiebedarf für sie nicht zwingend eingehalten werden.

  • Vereinfachung für ungekühlte Neubauten
    Für ungekühlte Neubauten ist keine ausführliche Berechnung für den EnEV-Nachweis mehr nötig. Wenn das Haus über die vorgesehene Standardausstattung hinsichtlich der Form, Größe, Ausrichtung, Dichtheit sowie der Vermeidung von Wärmebrücken verfügt, ist eine solche Berechnung entbehrlich.

  • Ferien- und Wochenendhäuser
    Nicht jedes neue Haus ist ein dauerhaft genutztes Eigenheim. Viele Menschen erfüllen sich auch den Traum eines Ferien- oder Wochenendhauses, das dem Komfort und der Ausstattung eines normalen Wohnhauses häufig in nichts nachsteht. In Anpassung an die „EU-Gebäuderichtlinie 2010 für energieeffiziente Gebäude“ gehören nur in den warmen Monaten genutzte Wohngebäude zu den Sonderfällen, die, mit Ausnahme der installierten Klima- und Heiztechnik, von den EnEV-Vorgaben befreit sind. Der Energieverbrauch muss hier mindestens 25 % unterhalb des Wertes liegt, der beim ganzjährigen Bewohnen anfiele.

  • energetische Bewertung von Gebäuden
    Schon in der EnEV 2009 wurde festgehalten, dass der selbst erzeugte und genutzte Strom vom Energiebedarf abgezogen werden kann. Die EnEV 2014 sorgt in diesem Punkt durch ein Berechnungsverfahren für mehr Klarheit: Danach lässt sich der Strombedarf als Monatswert anhand der Neufassung der DIN V 18599 (energetische Bewertung von Gebäuden) bestimmen.

 

Das Wichtigste für Eigentümer von Bestandsbauten

Hinsichtlich der Sanierung von Bestandsbauten wurden die bisherigen Anforderungen an die Modernisierung beibehalten. Grundsätzlich müssen Heizkessel, die vor 1985 in Betrieb genommen wurden oder älter als 30 Jahre sind, ausgetauscht werden. Diese Regelung ersetzt die Vorschrift aus der EnEV 2009, nach der alle vor 1978 installierten Kessel ausgetauscht werden mussten. Hierbei gibt es jedoch Ausnahmen:

  • Die Austauschpflicht entfällt, wenn es sich um Niedertemperatur- oder Brennwertkessel mit einem hohen Wirkungsgrad handelt. Somit sind lediglich Konstanttemperaturkessel von dieser Vorschrift betroffen.
  • Eine bereits in der EnEV 2002 festgesetzte Ausnahmeregelung wurde für die EnEV 2014 fortgeschrieben: Demnach besteht keine Austauschpflicht, wenn es sich um Ein- oder Zweifamilienhäuser handelt, die am 01.02.2002 von ihren Eigentümern in mindestens einer Wohneinheit selbst genutzt wurden. Sollte es einen Eigentümerwechsel gegeben haben, hat der neue Eigentümer innerhalb von zwei Jahren für einen Kesselaustausch zu sorgen.

 

Neuerungen bei den Energieausweisen

Künftig müssen Immobilienanzeigen auch eine Angabe zur Energieeffizienzklasse enthalten. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Immobilie vermietet oder verkauft werden soll. Die Energiekennwerte müssen sich dabei nicht länger auf die Gebäude-, sondern auf die Wohnnutzfläche beziehen. Doch auch hier gibt es Ausnahmen:

  • Diese Vorgabe muss nur für Energieausweise eingehalten werden, die nach dem Inkrafttreten der EnEV 2014 ausgestellt wurden, d. h., sofern für ein Haus ein Energieausweis nach altem Recht (ohne Energieeffizienzklassen) ausgestellt wurde, muss diese Angabe auch nicht in der Immobilienanzeige enthalten sein.
  • Soll eine Immobilie vermietet oder verkauft werden, müssen die Eigentümer den Energieausweis bereits bei der Besichtigung vorlegen. Bislang war hier eher vage davon die Rede, dass der Energieausweis „zugänglich gemacht“ werden müsse.
  • Kommt es zu einem Miet- oder Kaufvertrag, muss dem Mieter eine Kopie bzw. dem Käufer das Original des Energieausweises übergeben werden.
  • Gemäß der o. g. EU-Gebäuderichtlinie sollen die einzelnen Bundesländer für Stichprobenkontrollen der Energieausweise sorgen und sich um die Inspektion der Klimaanlagen kümmern. Allerdings wurde den Inspektoren kein Recht für das Betreten von Wohngebäuden eingeräumt. Werden hier Ordnungswidrigkeiten gemäß § 27 EnEV 2014 festgestellt, so können Bußgelder nach dem Energieeinsparungsgesetz 2013 (EnEG 2013) verhängt werden. Wird zum Beispiel ein Energieausweis bei Vermietung oder Verkauf nicht vorgelegt oder übergeben (s. o.), können bis zu 15.000 Euro Bußgeld fällig werden. Die weitere Nutzung veralteter Heizkessel trotz des Betriebsverbots kann ein Bußgeld von bis zu 50.000 Euro nach sich ziehen.

Weiterführende Informationen:

 

Das Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz (EEWärmeG)

Das EEWärmeG gehört zu den deutschen Bundesgesetzen. Es regelt den Ausbau erneuerbarer Energien in Form von Wärme und Kälte bei der energetischen Gebäudeversorgung und gilt seit dem 1. Januar 2009. Als Teil des Integrierten Energie- und Klimaprogramms (IEKP) ist es bundesweit verpflichtend und regelt die Energiebestimmungen bei Neubauten. Anlass des Erneuerbare-Energien-Wärmegesetzes (EEWärmeG) in Deutschland war die Verteilung der erneuerbaren Energien im Bereich der Wärmeerzeugung. 2007 hatten sie nur einen Anteil von 6 %. Bis 2020 soll die Verwendung auf 14 % gesteigert werden. Zurzeit betrifft das EEWärmeG rund 150.000 Neubauten jährlich. In Altbauten handelt es sich um rund 600.000 zu modernisierende Heizungen.

Auch die Nutzung ist durch das EEWärmeG gesetzlich geregelt

So muss zum Beispiel solare Strahlungsenergie zu 15 % genutzt werden. Aus Biomasse, Geothermie und Umweltwärme stammen 50 % und aus Biogas 30 %. Eine Ersatzmaßnahme für diese Möglichkeiten stellt die Ausnutzung technischer Abwärme dar, deren Mindestabnahme ebenfalls 50 % beträgt. Eine weitere Maßnahme ist Wärmeenergie aus Wärme-Kraft-Kopplungs-Anlagen (ebenfalls 50 %). Eine Steigerung der Energieeffizienz von Gebäuden von mehr als 15 % erfüllt das Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz weiterhin. Ein Anschluss an das Wärmenetz der KWK kann zur Einhaltung der Richtlinien des Erneuerbare-Energien-Wärmegesetzes beitragen. Dadurch wird zudem das Ziel des Gesetzes, erneuerbare Energien zur Nah- und Fernwärme zu nutzen, erreicht. Die Grundlage hierfür ist jedoch die Verpflichtung der Gemeinden, einen Anschluss zu diesen Netzen zu haben.

Fazit:
Das Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz bietet keinerlei Unterscheidungsmöglichkeit zwischen emissionsfreien und emissionsbehafteten Energien. DieFeinstauberzeugung durch Heizkörper wird in Zukunft durch die Maßnahmen noch zunehmen, was zu erheblichen Gesundheitsschäden führen kann. Theoretisch könnten beide Gesetze einen Energieüberschuss erwirtschaften, der jedoch nicht verbraucht werden kann. Die Zielsetzung im Jahre 2012 setzt dabei klar auf die Erreichung einer größeren Rechtssicherheit. Luftdichtigkeit und Feuchtigkeit sind weitere Aspekte, die in diesem Rahmen diskutiert und erarbeitet werden. Planung und Ausführung unterliegen dabei strengen Regelungen, die vor allem in der Bauphysik einige Änderungen mit sich bringen. Insgesamt sind die Gesetze ein weiterer Schritt in Richtung Umweltschutz, die zum jetzigen Zeitpunkt das Beste für Mensch und Natur hervorzuholen versuchen.

© 2017 Hausbauagentur.com